11. Sparkassen Untertage Marathon

Wie sich oben herausstellen sollte die unteren zwei Drittel des Anstieges der ersten Runde. Über weitere 400 Meter ging es hier stetig bergauf. Die ersten Läufer fielen schon hier auf der ersten Runde vom Laufen ins Gehen zurück. Die Hitze war unerträglich und die salzhaltige Luft saugte den letzten Tropfen Flüssigkeit aus den Poren der Haut. Wie sollte ich das denn bitte zwölf Mal durchhalten? Ich kämpfte mich den Berg laufend hinauf. Jeder Schritt war allerdings durch den tiefen Untergrund aus Salzstaub noch schwerer als ohnehin schon. Als ich am Ende des Berges zum zweiten Mal um die Kurve auf die Start und Zielgerade einbog zweifelte ich schon an meinem Verstand. ZWÖLF MAL?!
Die Uhr zeigte für die erste Runde eine Zeit von 17:06 Minuten. Ziemlich gut wie ich fand. Nach einem Becher Wasser ging es auf die nächste Runde. Auch diese Runde endete mit großer Verzweiflung am Anstieg des Todes. Jedoch ging es nochmal laufend! Im Ziel dann eine 17:35er Runde. Läuft doch gut. Wieder ein Becher Wasser und ein Stück Banane und wieder rein in das dunkle Labyrinth. Den Helm auf meinem Kopf hatte ich vor lauter Anstrengung schon lange vergessen. Das dritte Mal den Berg schaffte ich auch noch locker. Den Rest der Runde hielt ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht für wichtig. Ich beendete die dritte Runde mit einer 17:57. Also auch sehr im Rahmen. Ich verlangsamte nun aber das Tempo etwas. Vor allem die steilen Abwärtspassagen gingen doch deutlich in die Beine. Mit einer 18:35 und 19:28 ging es dann auf die letzte Runde vor der Halbmarathonmarke, bei welcher ein Aussteigen möglich ist. Auf dieser Runde passierte es allerdings… Ich musste dem Todesberg Tribut zollen. Ich verfiel das erste Mal ins Gehen, wie fast alle anderen Läufer um mich herum ebenfalls. Folgerichtig beendete ich diese Runde das erste Mal über 20 Minuten.

Mit dem Gedanken beim Halbmarathon auszusteigen spielte ich allerdings nur kurz. Ich wär selbst zu enttäuscht gewesen und hätte gleichzeitig dann das Rennen anders angegangen. Also nach zwei Bechern Wasser und einem Orangenschnitz auf die zweite Hälfte. Den Berg des Teufels persönlich ging ich in Runde sieben und acht immer und lief den Rest. Mit 22 und 23 Minuten wurde die Zeit dennoch immer langsamer. Ich fühlte mich trotz den 3 bereits getrunkenen Liter (gefühlte 6) langsam ausgetrocknet. Schwitzen hatte mein Körper eingestellt und die Luft schien das Wasser direkt aus der Haut zu saugen. Auf Runde neun musste ich dann kapitulieren. Ich ging auch die Anstiege auf der ersten Runde zum ersten Mal. Sobald es aber bergab oder geradeaus ging rannte ich wieder weiter. Fast kein Läufer rannte mehr die Anstiege. Die schnelleren Läufer unterschieden sich von den langsameren, überrundeten lediglich darin, dass sie schneller wieder ins Laufen kamen. Auch ein deutlicher Fluch war von einigen zu hören als ich zum zehnten Mal den Anstieg anging. Die nachfolgenden Runden verliefen immer gleich…. Eben = Rennen, Abwärts = Trippeln, Aufwärts = Gehen. Als ich ein letztes Mal von der Zielgeraden wieder in das Stollensystem  abbog war ich mir sicher… Das schaffe ich heute! Bisher hatte ich keinerlei Probleme mit Krämpfen, nur meine Oberschenkel und Knie meldeten „Keine Kraft mehr!!“. Ich ertränkte ihr Jammern mit Wasser, Tee und Cola an der ersten Station und warf ihnen ein bisschen Energie einer Banane zum Fraß vor.
Das letze Mal ging es den Zickzack-Weg hinauf und anschließend steil bergab beim Fotograf vorbei.  Ich strecke 2 Finger in seine Kamera. Als Gedächtnisstütze hatte ich mir vorgenommen jede Runde die aktuelle Rundenzahl in die Kamera zu halten. An der zweiten Versorgungsstelle verabschiedete ich mich und dankte den Helfern für ihren Einsatz. Dann war es soweit: Ich stand ihm ein letztes Mal gegenüber. Mit dem Gedanken „Du oder ich“ begann ich den Berg ein letztes Mal hoch zu rennen. Ich konnte noch den ein oder anderen Läufer überholen und bog mit brennenden Oberschenkeln auf die Zielgerade ein. Ich hatte es wirklich geschafft!!!!!! Irgendwo im Hintergrund ertönte die Stimme des Streckensprechers, der meinen Namen rief. Ich nahm es nicht mehr war. Ich lief mit einem lauten Schrei ins Ziel. YES!! Die gesamte Anstrengung fiel von mir ab.

Zieleinlauf

Nach ein paar Bechern Flüssigkeit und einer Banane ging es mir dem Fahrstuhl wieder Richtung Tageslicht. Mit einem flauen Gefühl fuhr ich hinab und als Sieger fuhr ich wieder hinauf. Niemals hätte ich erwartet das der Lauf so gut gehen würde.

Oben angekommen zog ich mich in der Kaue um. Unter den Läufer waren auch einige Bergleute, die ihre Sachen unter die Decke gezogen hatten. Immerhin war es die größte Dusche die ich bisher bei einem Lauf gesehen habe. Nun sollten die Krämpfe aber langsam kommen. Mit Müh und Not kam ich noch in meine Socken und Schuhe. Ich hangelte mich aus dem 2. Obergeschoss am Treppengeländer hinab in Richtung des Autos.

Nach einer problemlosen Heimfahrt ging dieses Laufabenteuer mit einem gemütlichen Essen zu Ende. Es war wirklich der härteste Lauf bisher für mich, aber ich würde es immer wieder tun.

Vielen Dank auch an Melanie die mich begleitet hat in die Tiefen der Erde und mich so toll unterstütz bei meinen, manchmal doch sehr verrückten, Laufaktionen!

Hier noch ein paar Fotos:

Und die „Rundentabelle“:

zwischenzeiten

Hier gibt es auch einen kleinen Videobeitrag:

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