Adidas Infinite Trails World Championships 2018

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Am vergangenen Wochenende fanden die Adidas Infinite Trails statt. Ein Team Event, welches gleichzeitig eine Weltmeisterschaft in dieser Art des Eventmodus ausgerufen hatte. Einer der größten internationalen Sportartikel Hersteller Adidas hatte die Schirmherrschaft für dieses Event übernommen. Location war die Region um Bad Gastein um Salzburger Land. Soweit ein perfektes Setting und eine große Chance für den Sport Trailrunning durch einen großen namhaften Sponsor eine gute Chance mehr in den Fokus zu rücken. Waren es bisher nur die Sportart spezialisierten Marken, welche sich um den Sport Trailrunning bemühten, klopfte hier nun eine Weltmarke an der Türe Trailrunning an. 

Wie ihr bereits aber wahrscheinlich mitbekommen habt, mussten die Infinite Trails aber am Sonntag aufgrund eines Schlechtwetter Einbruchs in der Nacht auf Sonntag nach zweimaliger Verschiebung letztendlich gecancelt werden. Schon der Prolog am Freitag Abend musste an der Mittelstation abgebrochen werden. In diesem Artikel möchte ich ein Fazit aus diesem Wochenende ziehen und euch die Pro und Contras des Wochenendes näher bringen und euch trotz allem eine Empfehlung aussprechen warum ihr der Veranstaltung im kommenden Jahr dennoch auf jeden Fall nochmal eine Chance geben solltet.

Pro wie Professionalität

Ich habe nun schon einige Rennen erlebt aber wohl selten bzw. noch nie eine solche durchgängig Professionalität erlebt wie bei diesem Wettkampf. Gefühlt wurde jede Sekunde des Wochenendes durchdacht und auch perfekt durchgeplant. Folgende positive Aspekte kann man ohne schlechtes Gewissen auflisten:

– Das Setup in der Alpenarena war mit LED Bande, EInlaufteppich, Zielbogen und Startbereich auf jeden Fall Weltmeisterlich. Der Einlauf der Teams wäre ein riesen Spektakel geworden.
– Das drum herum. Angefangen von den Anhängern an den Mineralwasserflaschen, über die Bekleidung der Bedienungen in den Restaurants des Ortes oder die Beflaggung des Ortes. Alles war perfekt gebrandet und das Event war omnipräsent.
– Die Helfer. Überall egal an welcher Station sorgen unzählige Helfer für einen reibungslosen Ablauf und eine Betreuung der Athleten.
– Die Strecken (zumindest die geplanten Strecken). Wir erkundeten am Sonntag teile des 3. Loops und sahen auch Bilder vom ersten Loop und waren begeistert. Die feinsten Trails wurden hier in der Gegend Bad Gestein für uns Läufer durch die Unterstützung von Locals herausgesucht und nach zähen Verhandlungen auch laufbar gemacht.
– Das Leistungspaket. Für den ausgeschriebenen Preis ist das Event jeden Cent wert. Neben den beiden Rennen enthält die Startgebühr auch noch dreimal die Verpflegung am Abend/Nachmittag und am Samstag einen tollen Athleten Brunch zur Mittagszeit. Dazu noch Shuttle, Eintritt in die Alpentherme mit Sauna, Giveaways im Startbeutel, Finisher Shirt, etc.
– Die Begeisterung in der Region. Egal mit wem man an diesem Wochenende ins Gespräch kam, die ganze Region rund um Bad Gastein freute sich auf das Event und die Läufer.
– Das Konzept der Nachhaltigkeit. Keine Becher, wo man sie nicht brauchte. Am Freitag wurden nur Becher eingesetzt um einen Stau an der Verpflegung zu verhindern, da die Läufer in sehr kurzen Abständen hier ankamen. An den Stationen gab es sogar verschiedene Behälter um den Müll direkt zu trennen. Die Häppchen im VIP Bereich am Sonntag wurden auch zb. nicht in Plastikschalen und mit Plastikbesteck serviert, sondern in Holz und mit Holzbesteck. Wo immer es ging war man angehalten das Event nach dem Prinzip „Zero footprint“ zu veranstalten.
– Die Öffnung des VIP Bereichs nach der Absage und die tolle Party mit den DJs bis in den späten Sonntag Abend und den engen Austausch mit den Profis und Organisatoren dort.
– Die Nähe der Profis. Sowohl die Profiteams, als auch die DSV Profis waren omnipräsent und jederzeit für Gespräche und Fotos bereit.

Contra:

Wo fängt man hier am besten an. Klar kann man dem Veranstalter jetzt plump vorwerfen, dass es nunmal diese Absage gab. Aber das Ganze muss man meiner Meinung dann doch differenzierter betrachten. Klar habe auch ich im ersten Moment sehr geschumpfen und mich darüber ausgelassen. Sorry an dieser Stelle an alle die es abbekommen haben. Nach der Zeit nun und den Stunden auf den genialen Trails rund um Bad Gestein am Sonntag betrachte ich das ganze nun etwas nüchterner und nicht so emotional wie am Sonntag Morgen direkt. Die Absage fällt nunmal mit einer Sicherheitsentscheidung, welche der Race Director trifft. Er trägt die Verantwortung und entscheidet aufgrund der ihm vorliegenden Informationen ob er dieses Risiko auf sich nimmt oder nicht. Einerseits war natürlich Schnee auf der Strecke wie wir alle gesehen haben, andererseits wäre es nur für eine kurze Zeit der Strecke gewesen und Loop 2 und 3 nicht betroffen gewesen so wie wir alle dann bei unserer privaten Tour gesehen haben. Also gab es diese Absage.
Soweit kreide ich diese Absage dem Veranstalter auch gar nicht negativ an.

Ein anderer Punkt muss man sich aber leider gefallen lassen. Das ist die Frage nach der Alternativroute. Hatte man keine? Man hört dass es wohl eine gab aber warum kam diese dann nicht zum Einsatz? War diese nicht vorbereitet? Die Verpflegungen konnten nicht schnell genug verschoben werden? Die Posten nicht schnell genug bestückt werden? Wenn ich schon so eine Wettervorhersage habe am Freitag und Samstag dann MUSS ich einfach eine Ersatzstrecke in den Ärmeln haben für den Loop 1. Loop 2, vielleicht mit einer Kürzung im Bereich des Grats und erst recht Loop 3 waren definitiv laufbar. Und selbst wenn alle Loops nicht machbar sind, dann muss es eine Alternativstrecke geben die dann von mir aus von allen Teams nacheinander gerannt wird oder eben doch als Massenstart wie beim Bergsprint. Das oberste Gebot ist dass ein Rennen stattfindet. Ob dieses dann anders ist als die Athleten eigentlich erhofft haben ist im ersten Moment vielleicht enttäuschend, aber gar kein Rennen zu haben ist sicher noch enttäuschender.

Die Bilder des Wochenendes: 

Pressetalk mit Timothy Olson

Fazit:

Lange habe ich überlegt wie mein Fazit zu diesen Wochenende lautet. Doch inzwischen bin ich mir in meiner Meinung sicher und will diese auch an euch weitergeben. Ich würde dieser Veranstaltung gerne nochmal eine Chance geben. Der Prolog war natürlich nicht die schönste Strecke mit 12km Anlauf durch das Gasteiner Tal, aber die Strecke soll sich im kommenden Jahr ändern und war dieses Jahr aufgrund von Baumaßnahmen auf dem eigentlichen Zielberg anders geplant worden. Auch das was wir vom 3. Loop am Sonntag sehen konnten waren traumhafte Trails und auch die anderen Läufer, die auf den anderen Loops unterwegs waren schwärmten nur so von den Strecken. Sollte bis zum kommenden Jahr ein Konzept ausgearbeitet werden, welches es erlaubt auch bei schlechtem Wetter einen Wettkampf durchzuführen, dann kann durch die gezeigte Professionalität rund um das Event hier etwas ganz großes entstehen. Hierzu benötigt Adidas aber auf jeden Fall weitere Kompetenz in Sachen Trailrunningveranstaltung und auch einen langen Atem, da das Event durch die Absage und die Freistarts für nächstes Jahr sicher weit entfernt von einer Wirtschaftlichkeit liegt. Ein gutes Jahr und auch die Akzeptanz in der Trailszene wird steigen und das Event sich etablieren. Die Region Gestein hätte es nach diesem begeisterten Wochenende auf jeden Fall verdient. Auch für den Sport Trailrunning ist der Einstieg einen so großen Players nicht nur negativ zu sehen, sondern kann auch wieder neue Chancen mit sich bringen. 

Das beste kommt aber zum Schluss. Nach der Absage des Rennens am Sonntag zögerten ein paar der Läufer keine Sekunde und verabredeten sich spontan um 10 Uhr zum gemeinsamen Run auf Loop 3. Dies verbreitete sich recht schnell über die verschiedensten Kanäle und plötzlich standen um 10 Uhr an die 40 Läufer zusammen und machten sich gemeinsam auf die Strecke. Darunter auch Profis wie Luis Alberto Hernando, Ekaterina Mityaeva und Dimitrii Mitiaev. Die Gruppe lief die ersten 4km auch zusammen und teilte sich dann erst am Berg in die jeweiligen Leistungsklassen auf. Ein super Gruppenerlebnis und der Beweis wie stark die Trailcommunity ist. Wir jedenfalls liefen eine geniale 30km Runde auf den Trails des 3. Loop und hatten dabei auch querfeldein über 5 Stunden einen Heidenspaß. Hier wird man sich wieder bewusst wofür man diesen Sport eigentlich macht. 

Community Run (Foto: Stefan Vonbun/www.kilometerfresser.at)

Ergebnisse Prolog: https://my5.raceresult.com/81592/results?lang=de
Bericht WUSAS: https://www.wusaonthemountain.at/adidas-infinite-trails-2018-wechselbad-der-gefuehle/
Bericht Uptothetop: https://www.uptothetop.de/2018/06/24/adidas-infinite-trails-2018/

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