Irland 2012- Der Kerry Way Tag 4

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Die Nacht plätscherte wiedereinmal an uns vorbei. Der Gedanke an die nassen Schuhe und die nächsten Etappen begleitete mich im Schlaf. Die Hoffnung das es am nächsten Tag besser werden sollte war doch eher optimistisch als realistisch…Wir standen gegen 8 Uhr auf und trafen uns im Aufenthaltsraum. Hier standen die Schuhe noch in Zeitungspapier verpackt vor dem nicht angefeuerten Kamin. Der spannende Moment… und NASS! Zwar nicht mehr triefend, aber immer noch deutlich spürbar. Aber es musste weitergehen. Nach einem kleinen Toast-Frühstück stiegen wir in unsere nassen Schuhe und stemmten die Rucksäcke auf den Rücken. Die heutige Etappe sollte über 22km von Black Valley nach Glencar gehen. Die Etappe sollte zwei heftige Anstiege umfassen, wovon einer den höchsten Punkt des Kerry Way bedeutet.

Die ersten Kilometer führten durch das Black Valley. Vereinzelte Farmen und sehr sehr sehr viele Schafe. Überall in den Bergen waren weiße Punkte erkennbar. Die Straße schlängelte sich Richtung des Lough Cummeenduff. Uns bot sich ein wunderschönes Panorama auf das von den höchsten Bergen Irlands eingerahmten Tals.

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Am Ende des Tales war es dann mit der schönen Wanderung vorbei. Es ging bergauf. Zuerst durch einen Wald. Dieser Weg war extrem matschig und die Schuhe waren zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon wieder komplett nass. Nach dem Wald führte der Weg über einen Hang. Ein richtiger Weg war hier allerdings nicht erkennbar, sondern nur hin und wieder eine gelbe Markierung an einem Stein. Bei jedem Schritt platschte das Wasser unter unseren Schuhen und wir kamen nur langsam voran.

Nach 2km durch dieses Feld erreichten wir wieder einen befestigten Weg, welcher sich bis ans Ende des Tals wand. Das Ende des Tals bedeutete aber auch, dass es keinen Ausweg aus dem Tal gab, außer über den Berg am Ende. Es ging sehr steil bergauf. Einen Weg gab es nicht wirklich und wenn, dann war dieser Weg in der Zwischenzeit zu einem Bach geworden.

Nach mühsamer Kletterei endlich oben angekommen bot sich uns ein traumhafter Blick ins Tal. Aber gleichzeitig auch die Gewissheit, das es über Stock und Stein auch wieder steil bergab geht ohne Weg. Etwas aufmunternd war das Schild des Cookie Monster Cafes mitten auf dem Berg, sodass wir uns auf einen warmen Tee im Tal freuen konnten.

Wir stiegen also wieder den Berg hinunter. Teilweise war es sehr rutschig und so sollte es nicht lange dauern, bis die Schwerkraft es geschafft hatte mich zu überwältigen. Der Rucksack schob von hinten und der Matsch unter den Füßen erledigte den Rest. Schneller als ich schauen konnte lag ich im Dreck. Die linke Hand auf einem Fels aufgeschrammt und die rechte inmitten eines Dornenbuschs. Gleichzeitig war auch die Hose komplett matschig. Nach einer kurzen Pause ging es aber weiter.
Wir erreichten das Café und gönnten uns erstmal einen Tee und eine warme Suppe. Beim Gedanken daran, dass das erst der erste Berg von zwei war, wurde uns doch ganz mulmig. Im Reiseführer stand, dass man auch entlang der Straße 8km nach Glencar laufen konnte von hier aus, aber das kam nicht in Frage! Ganz oder gar nicht!!

Der nächste Anstieg startete gleich hinter dem Café und sollte uns auf den höchsten Punkt des Kerry Ways führen. Der Aufstieg auf die 365m klingt zwar für einen Schwarzwälder recht wenig, weil wir schon mal doppelt so hoch leben, aber in Irland erfolgt dieser Anstieg oftmals von fast Meereshöhe. Der Weg auf den Gipfel war aber im Vergleich zum ersten Berg sehr angenehm und so kamen wir gut vorwärts. Auf dem Gipfel bot sich uns ein traumhaftes Panorama über das hinter uns liegende Tal.

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Auf der anderen Seite ging es dann wieder abwärts. Unser Zeil hatten wir allerdings ab diesen Augenblick immer vor Augen. Der See sollte unser Ziel markieren. Geplant war bis Glencar zu laufen und dort beim Climbers Inn zu nächtigen. Hierzu muss man den See auf  einmal komplett umrunden, da die einzige Straße nach Glencar auf der linke Seite des Sees liegt, man aber keinen Durchgang über den Zufluss des Sees hat.

Auf dem Abstieg musste man wieder deutlich acht geben und es blieb nicht ohne Zwischenfall. Beim Absteigen von einem Fels versank mein rechter Fuß bis ans Knie in einer Mischung aus Moor und Matsch. Es war nicht gerade einfach den Fuß samt Schuh da wieder herauszubekommen. Ich war sehr froh über die Gamaschen die ich trug, denn dadurch war wenigstens die Hose nicht komplett dreckig. Nach zwei weiteren Stürzen und Kletterei waren wir dann endlich am See angekommen.

Direkt am See befindet sich ein Bed&Breakfast, welche allerdings ziemlich teuer war. Auch das Campen mit 10€/p.P war nicht sehr billig. Also entschlossen wir uns noch die 4km zum Climbers Inn zurückzulegen. Im Nachhinein hätten wir eher die 10€ annehmen sollen. Der Weg dorthin ist nicht sehr attraktiv. Man läuft nur auf der Straße, welche relativ stark befahren ist. Nach einer Stunde erreichten wir das Climbers Inn.
Ein Mann, welcher uns mit seinem Jeep überholt hatte sprach uns an und entschuldigte sich dafür, dass er uns nicht mitgenommen hatte, da er selbst das Auto voll hatte. Sehr beeindruckend diese Freundlichkeit. In diesem Teilen von Irland ist es ganz normal zu trampen oder Wanderer einfach zu Fragen ob sie nicht mitfahren wollen.
Das Zelten auf einer Wiese hinter dem Climbers Inn kostet 5€ pro Zelt. Allerdings ist diese Wiese doch recht sumpfig und mit Sumpfgrass bewachsen, sodass maximal ein Zelt auf normaler Wiese stehen kann. Desweiteren wurde ein extra Häuschen mit Dusche und WC errichtet. Die Dusche läuft nach Einwurf eines 1€ Stückes direkt los für genau eine Minute. Bis die Dusche allerdings warm ist dauert es ca. 20sek. Somit bleiben einem nach einem Sprint durch den Raum zur Dusche noch genau 30sek. warmes Wasser bis die Dusche wieder ausgeht. Ziemlich unverschämt wie ich finde. Nunja sollte ja nur für eine Nacht sein. Am Abend kochten wir dann vor dem Zelt Beans und Spaghetti. Als die Midges uns jedoch auf die Nerven gingen verkrochen wir uns im Zelt zum schlafen…

tbc.

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