Stage 1: Oberstdorf -> Lech

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Noch immer fällt es mir schwer die vielen Eindrücke der Transalpine Woche 2015 aufs digitale Papier zu bringen. Der Kopf ist einfach immer noch mit Verarbeiten beschäftigt. Aber die Zeit bis zum nächsten Wettkampf rennt, also geht es jetzt los.

Tag 1. Die harten Fakten zu Beginn. 34,6km 2083hm+ 1469hm- ProfilTag1

Unsere Startunterlagen hatten wir bereits am Vortag geholt und auch die Tasche soweit fertig gepackt um sie auf die Reise über die Alpen zu schicken. Die Tasche von Salomon die man hierfür erhält reicht gerade so für all mein Zeug und ich bin froh nicht noch einen Schlafsack und eine Isomatte hinein packen zu müssen wie die Camp-Schläfer. Im Laufe der Woche merke ich allerdings, dass es auch die Hälfte an Zeug getan hätte. Das Gewicht der Tasche ist beträchtlich und ich beneide die Jungs wirklich nicht, welche diese Monstren jeden Tag schleppen müssen. Schon jetzt einmal ein fettes DANKE!!! dafür, dass wir jeden Tag reibungslos unsere Tasche an der nächsten Hotelrezeption vorfanden.

Den Vortag gestalteten wir recht locker und gammelten die meiste Zeit auf der Expo rum und begrüßten bekannte Gesichter. Die Stimmung war gut und alle freuten sich gespannt, dass es nun endlich los gehen sollte. Eine Mischung aus Vorfreude und Anspannung. Das Wetter strahlte mit den Gipfeln der umliegenden Berge um die Wette und der ein oder andere murmelte „Hitzeschlacht“.

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Sonne tanken

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Und täglich grüßt das Mammut

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Chillig

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Race-Kit Tag 1

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Pasta Party

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Präsentation der Nationen

Nach der Pasta Party am Abend, welche nun zur alltäglichen Routine werden sollte ging es für uns zurück in die Unterkunft die allerletzten Sachen packen. Der Start am nächsten Tag war zum Glück erst um 10 Uhr, so dass man mit etwas Schlafüberschuss in den Transalpine Run 2015 starten konnte.

Und dann war er endlich da! Der 1. Tag! 

Der Wecker klingelte zu einer recht humanen Zeit um 7 Uhr. Nach einem kurzen Frühstück starteten wir von unserer Unterkunft bei Bad Hindelang in Richtung Oberstdorf. Das Auto musste ca. 2 Kilometer außerhalb auf einem Langzeitparkplatz abgestellt werden. Der erste „Lauf“ des Transalpine für mich. Eine gute dreiviertel Stunde vor Start war ich dann endlich am Expo Gelände. Ein schneller Toilettengang, bekannte Gesichter grüßen und allen viel Erfolg wünschen und schon war die Zeit wie im Flug vergangenen. Nach dem Check der Pflichtausrüstung reihten wir uns recht hinten im gesamten Starterfeld ein. Nur nicht zu schnell angehen war die Devise. Die Straße war anfangs sowieso breit genug, dass man auch hinten frei laufen können sollte.

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Wir sind bereit

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Startkanal Oberstdorf

Kurz vor 10 Uhr erklang dann das erste Mal für die kommenden 8 Tage der Highway to hell. Jeden Tag wurden wir mit diesen Klängen auf die Strecke geschickt. Schon bei den 4 Trails ein festes Ritual im täglichen Ablauf. Punkt 10 Uhr fiel dann der Startschuss und 340 Teams machten sich auf die erste von 8 Etappen und gesamt 268 Kilometer zu Fuß über die Alpen. Unsere Vorgabe war bloß nicht zu schnell starten und sich von der Rennerei auf der Straße anstecken zu lassen. Kräfte sparen war angesagt. Über den örtlichen Wochenmarkt verließen wir Oberstdorf in Richtung der Heini-Klopfer-Skiflugschanze. Ein erster kleiner Aufstieg zwang uns im Stau ins Gehen zurück zu fallen, eher gut als schlecht zu diesem Zeitpunkt der Etappe. Es lief bisher alles sehr gut.

Nun stand der erste wirkliche Aufstieg des Transalpine vor uns. Unter der Fellhornbahn hindurch erklimmen wir die ersten Höhenmeter auf dem Weg zur Fiderescharte. Auf knapp 1400 Meter erwartet uns dann die erste Verpflegung. Hier gibt es wieder wie gewohnt alles was das Herz begehrt. Bis hierhin haben wir knapp 1:30 Stunden Laufzeit für die ersten 11 Kilometer mit 650 Höhenmeter gebraucht. Wir sind zufrieden und haben eigentlich ein gutes Tempo gefunden. Wir verpflegen uns kurz und gehen dann den langen Anstieg zur Scharte an. Das erste Mal geht es in hochalpines Gelände.

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Kurz vor VP1

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Die Sonne brennt gnadenlos

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Hinauf zur Scharte

Vor uns liegen 4 Kilometer mit knapp 800 Höhenmeter in schwerem Gelände. In steilen Serpentinen geht es nach oben. Die Sonne brennt gnadenlos auf uns herab. Wir stapfen im Trott, aufgereiht wie eine lange Perlenkette nach oben. Plötzlich sitzt Carsten von RocknTrail am Wegesrand. Neben ihm sein Teampartner Benny. Carsten scheint es nicht gut zu gehen. Er tut mir leid und ich wünsche ihm alles gute. Keine 200 Meter weiter oben renne ich auf einmal wie gegen eine Wand. Nichts geht mehr. Mir ist auf einmal schwindlig. Mit der Höhe habe ich normalerweise keine Probleme. Vielleicht liegt es am extrem heißen Wetter. Ich nehme ein Gel und trinke einen großen Schluck Wasser dazu und hoffe es regelt sich bald wieder. Sandra muss hingegen nun auf mich warten. Noch sind es etliche Höhenmeter bis zur Scharte. Ich versuche mit langsamen Gehen weiter zu kommen. Aber sobald ich ein paar Meter weiter bin muss ich mich auf meinen Stöcken abstützen so schwindlig ist mir. So quäle ich mich Schritt für Schritt zur Scharte hinauf. Ich überlege schon auszusteigen. Am 1. Tag, nach 13 Kilometern…
Bis zur Scharte will ich es aber auf jeden Fall noch schaffen. Vor V2 aussteigen ist sowieso keine Option, wir liegen gut im Cut Off und können uns ein langsameres Tempo erlauben. Nur um Sandra, die immer wieder auf mich warten muss und ihren Rhythmus völlig verliert, tut es mir leid.
Auf dem Weg zu Scharte liegt dann der 1. Läufer mit Infusion am Arm. Ich scheine nicht der einzige zu sein, dem es diesen Tag echt schlecht geht.

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„Lauter blöde Trailrunner heute unterwegs“

Endlich oben an der Scharte angekommen ein atemberaubender Ausblick. Die Quälerei hat sich gelohnt. Leider vergesse ich vor lauter Erschöpfung ein Foto zu machen. Nun geht es erstmal einen knackigen Downhill hinab. Ich kann wieder rennen und überhole etliche der Läufer, die mich am Berg stehen ließen. Ein tolles Gefühl. Jeder von uns geht sein eigenes Tempo bergab. Es ist leichter manchmal schneller bergab zu rennen, als immer wieder bremsen zu müssen.

Leider geht das Spiel dann beim Aufstieg zur Mindelheimer Hütte wieder von vorne los. Ich bin wieder am Abgrund angekommen. Ich taumel mehr als das ich gehe. Liter für Liter trinke ich. Genau das ist vermutlich aber auch einer der Fehler. An der Mindelheimer Hütte fülle ich meine Vorräte wieder auf. Etliche stehen hier erschöpft im Schatten und überlegen wie sie den Rest der Etappe noch schaffen sollen. Wir rennen erstmal weiter. Es geht wieder bergab. Ich kann wie aus heiterem Himmel sogar Tempo machen. Plötzlich überholt mich ein Läufer, stolpert dabei, überschlägt sich und stürzt den Abhang hinunter. Zu seinem großen Glück war es nicht sehr ausgesetzt und er landet nach ca. 5 Meter Fall unverletzt in einer Bergkiefer. Nochmal Glück gehabt. Solch ein Ereignis ruft einem aber immer wieder ins Gewissen wo man eigentlich unterwegs ist. In solchem Gelände ist kein Platz für Spaß und Fehler. Wäre das auf den nächsten Kilometern hinauf zum Schrofenpass passiert wäre er einige hundert Meter tief gefallen. Der Aufstieg zum Schrofenpass ist der letzte des Tages. Über seilversichterte Stücke und Aluleitern geht es nach oben. Ich taumel wieder. Irgendwie schaffe ich es aber nach oben. Am Übergang liegt der nächste Läufer neben einer Bergwacht und wird soeben versorgt. Ich bin froh nicht da zu liegen.

Nun geht es bergab in Richtung Warth. Im Winter eines der schneesichersten Skigebiete suche ich nun vergeblich nach etwas Schatten um mich vor der Hitze zu verstecken. Jeder noch so kleine Bach wird genutzt um zu Trinken und die Mütze ins Wasser zu tunken.
Endlich an der 2. Verpflegung angekommen esse ich einige Melonen, trinke Cola und versuche es auch mit einem 2. Gel. Ich fühle mich etwas besser, ohne zu wissen, dass das letzte Stück nochmal ein großer Kampf werden wird. Es geht wellig auf einer Forststraße in Richtung Lech am Arlberg unserem heutigen Ziel. Sobald es bergab geht kann ich rennen, aber beim kleinsten Gegenanstieg muss ich gehen bzw. sogar pausieren. Gefühlt sind wir inzwischen Letzter. Auch Sandra ist inzwischen sehr erschöpft und durch die ganze Warterei auch nicht bester Stimmung.

Stau auf dem Trail

Stau auf dem Trail

Nach 7 Stunden taucht dann endlich das Ziel vor Augen auf und wir können schon den Sprecher hören. Nach 7 Stunden und 2 Sekunden überqueren wir die erste Ziellinie des Transalpine Run 2015. Ich bin froh es geschafft zu haben und hoffe inständig, dass es morgen besser geht. Denn eins steht fest: So kann es keine 7 Tage weiter gehen.

Letztendlich erreichen wir als 25. von 37. Teams in der Mixed Wertung das Ziel. 2 Teams mussten leider schon aufgeben. Insgesamt sollten es an diesem Tag 28 Teams sein die aufgeben müssen. Viele können als Einzelstarter weitermachen, einige scheiden aber auch komplett aus. Wir haben nun noch mehr Respekt vor den nächsten Tagen und es zeigt sich, dass das hier kein Spielplatz ist.

Nach einer Dusche im Hotel geht es zur Pasta Party. Diese war wirklich einer der besten der ganzen Woche und wartet auf uns mit Ofenkartoffeln und gekochtem Gemüse. Jeder Tag ohne Pasta ist ein guter Tag. Direkt nach dem Streckenbriefing geht es zurück ins Hotel. Ich hoffe durch etwas mehr Schlaf morgen in einer besseren Verfassung am Start stehen zu können.

Am nächsten Tag erwarten uns zwar nur 25 Kilometer davon aber 25 hochalpine und harte Kilometer.

Zu den Ergebnissen der 1. Etappe

Strecke der 1. Etappe

Webseite Transalpine Run

Bericht Stage 2 

Bericht Stage 3

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