Stage 2: Lech -> St. Anton

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Nach der gestrigen Katastrophe musste heute so einiges anders laufen. Mit einem guten Gefühl wachte ich am Morgen auf. Start war auf 8 Uhr terminiert, wobei heute in Blocks gestartet wurden. Nach ca. 1 Kilometer durch Lech sollte ein enger Trail auf uns warten und um hier einen Stau zu verhindern, staffelte man das Starterfeld in 3 Blöcke mit 10 Minuten Abstand.

Die morgendliche Routine mit Tasche an der Rezeption 1,5 Stunden vor Start abgeben und dann frühstücken gehen war schon jetzt eingespielt. Ein großer Vorteil im Gegensatz zu den 4 Trails war allerdings, dass es von Gore Tex noch einen Beutel gab, welchen man am Start abgeben konnte und im Ziel wieder in Empfang nehmen. Dadurch war es möglich noch eine Jacke oder sonstige Gegenstände auch nach Taschenabgabe am Hotel mitzunehmen ohne diese dann über die gesamte Etappe schleppen zu müssen.

Gegen kurz nach 7 Uhr machten wir uns dann auf den Weg zum Startbereich. Aus allen Hotels auf dem Weg strömten Läufer in Richtung des Startgeländes. In Lech selbst war es noch recht schattig und kühl, aber über uns öffnete sich ein tiefblauer Himmel und kündigte wieder einen sehr heißen Tag an.

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Guten Morgen Lech

Heute standen 24,7 Kilometer auf dem Plan. Ein paar weniger wie gestern aber mit 1900 Höhenmeter in hochalpinen Gelände auf keinen Fall zu unterschätzen. Gerade auf den ersten 5,5 Kilometer sollten 923 schwere Höhenmeter auf uns warten. Für diesen Abschnitt war die Cut Off Zeit auf 1:45 Stunden gesetzt. Wir befürchteten, dass das eng werden könnte. Es sollte jedoch irgendwo anders eng werden.

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Profil Tag 2

Wir reihten uns heute in den 3. Startblock ein. Platz 200. –  Ende. Da wir aufgrund meines Durchhängers so weit hinten gelandet waren, wählten wir eine vordere Position im Block. Nach dem 3. Highway to hell, knallte auch endlich die Startpistole für uns und es ging auf die Reise. Der erste Kilometer führte uns durch Lech, beinahe wieder zurück zum Hotel. In der Ortsmitte zweigte der Weg dann nach links ab und über den Schafalpweg begann der lange Anstieg.

Der erste Kilometer war doch recht schnell, so dass wir mit Stau auf dem Trail keine Probleme hatten. Nun hieß es wieder gen Himmel zu stapfen. Zum Glück lag dieser Aufstieg komplett im Schatten und so konnten wir ein gutes Tempo gehen ohne zu sehr zu überhitzen. Durch dichte Bergkiefern bahnte sich der Läuferzug den Weg nach oben. Nach ca. 3 Kilometer auf knapp 2000m Höhe traten wir dann aus dem Schatten in die Sonne und vor uns breitete sich ein traumhaftes Alpenpanorama aus. Ein Traum. Für solche Momente ist man Trailrunner geworden und hat sich auf solche Abenteuer eingelassen.

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Ein Traum in tiefblau

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Was für eine Kulisse

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Das Ziel des Anstiegs links oben

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Hochtal

Am ersten Checkpoint gingen wir nach 1:27 Stunden durch. 18 Minuten auf den Cut-Off. Lief doch ganz gut. Kurz verpflegt und weiter. Nun folgte ein traumhaftes Stück durch ein Hochtal. Die Beine fühlten sich fit an und der Kreislauf war auch im Gegensatz zum Vortag in Höchstform. Leider haben die meisten Täler irgendwo einen Ausstieg. Über den Stuttgarterhüttenweg stiegen wir am Ende des Tals zur Rauhekopfscharte hinauf.

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Aufstieg zur Rauhekopfscharte

Nun folgte ein langer ebener Abschnitt immer am Hang entlang ohne groß Höhenmeter, vorbei an der Stuttgarter Hütte. Hätten wir um die Knappheit unserer Laufzeit gewusst wären wir den Aufstieg zum Erlijoch etwas mehr beeilt. So ließen wir in Anbetracht der noch kommenden 6 Tage es etwas ruhiger angehen und wollten Kraft sparen.

Erlijoch

Es folgte der lange Abstieg in Richtung der 2. Verpflegung. Auf dem Abstieg stießen wir plötzlich auf Andreas und Mario. Wir waren doch etwas verwundert beide starke Läufer hier anzutreffen. Leider hatte das ganze einen unschönen Hintergrund. Andreas war ziemlich böse umgeknickt und hatte sich, wie sich später herausstellte, zwei Bänder gerissen und wollte nur noch irgendwie zur 2. Verpflegung kommen um aus dem Rennen auszusteigen. Sehr sehr schade für ihn. Mario machte ab diesem Punkt dann allein weiter. Nach der 2. Verpflegung begann der zweite große Anstieg der heutigen Etappe. Zum Valvagerjoch ging es zuerst über einen Anstieg mit einigen kleinen Kletterpassagen noch recht gemächlich bergauf. An einem kleinen See vorbei begann dann plötzlich einer der härtesten Aufstiege des Transalpine Run 2015. Beinahe weglos in lockerem Schotter ging es steil bergauf. Die Sonne brannte gnadenlos und man konnte das Ende oben, sehr weit oben, immer vor sich sehen. Schier endlos langsam schoben wir uns nach oben.

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Für die 3 Kilometer Anstieg benötigten wir beinahe 1:15 Stunden. Eine unglaubliche Zeit. Gleichzeitig brannte die Sonne von oben erbarmungslos auf unsere Köpfe. Dieser Streckenabschnitt kostete unheimlich viel Kraft. Zum Glück war mein Kreislauf heute stabil und ich hatte keinerlei Probleme, außer der normalen Erschöpfung. Wäre ich im gleichen Zustand wie gestern gewesen, wäre ich vermutlich an VP 2 schon aus dem Rennen ausgestiegen. So hatte ich plötzlich doch wieder die Vision eines erfolgreichen Finish vor Augen.

Endlich oben

Endlich oben

Endlich auf dem Valvagerjoch angekommen lagen noch 1300 Höhenmeter Abstieg vor uns. Gerne unterschätzt man diese Höhenmeter nach dem Motto „Läuft ja bergab eh wie von allein“. Oftmals ist es aber genau das Gegenteil. Diese Höhenmeter können verdammt weh tun und sehr viel Kraft kosten. Nach 4:51 Stunden erreichten wir die 3. Verpflegung an der Ulmer Hütte. Ein Blick auf die Zeittafel ließ uns kurz erzittern. Wir waren nur noch 9 Minuten vor dem geplanten Cut Off. Ungläubig schauten wir uns an und dachten an die vielen Teams die noch hinter uns auf der Strecke sein müssen. Wir tankten schnell nach und machten uns rasch wieder auf den Weg. Beim Verlassen der Verpflegung bekamen wir mit, dass das Zeitlimit soeben um 1 Stunde verlängert worden war. Eine gute Entscheidung. Das hätte heute wohl ansonsten 30-40 Teams zusätzlich aus dem Rennen befördert.

Bergab nach St. Anton

Bergab nach St. Anton

Die nun folgenden Kilometer hinab ins berühmte St. Anton sind recht zäh. Auf breiten Schotterwegen geht es durch das Skigebiet steil bergab. Das ständige bremsen kostet Kraft. Die Oberschenkel brennen bereits nach der halben Strecke. Endlich kommt St. Anton in Sichtweite und wir biegen auf die Hauptstraße ein. Noch 1 Kilometer bis zur Ziellinie dann haben wir Nummer 2 geschafft.
Nach 5:41:52 Stunden überqueren wir diese erschöpft aber durchaus zufrieden.

Check!

Check!

Wir werden heute 23. in der Mixed Wertung und 190. Team Overall. In der Gesamtwertung gewinnen wir in unserer Kategorie einen Platz. Wieder sind 2 Teams ausgeschieden, insgesamt hat es auch wieder etliche erwischt, wenn auch nicht ganz so viele wie am Vortag.

Unser Hotel liegt heute ziemlich weit außerhalb und so haben wir noch einen längeren Fußmarsch vor uns. Wie der Zufall es will sind Ulli und Sandra im gleichen Hotel. Nach einer Dusche bleibt noch etwas Zeit um sich auszuspannen bevor es dann mit dem Bus wieder zur Pasta Party geht, heute auch wirklich Pasta. Ich fühle mich verdammt fit und habe wieder richtig Lust auf den nächsten Tag!

Erholen bei grandiosem Panorama

Erholen bei grandiosem Panorama

Zum Move

Ergebnisse

Bericht Stage 1 Oberstdorf -> Lech

Bericht Stage 3 St. Anton -> Landeck

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  1. Pingback: Transalpine Run 2015 Prolog | trailfieber

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