Tough Guy 2014: Der große Tag!

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Da war er nun also, der große Tag! Seit März vergangenen Jahres fieberte ich auf diesen Moment hin. Immer und immer wieder hatte ich mir verschiedene Berichte und Videos von diesem Spektakel angeschaut. Nun stand ich selbst mit 6000 Verrückten an der Startlinie. Vorne peitschten schon die ersten Reihen begleitet von Raketen und Artilleriegeschossen den Starthügel runter. Nur schwere war es den Ordnern möglich uns Wetnecks in den Startblöcken zu halten. Dann fiel das Gitter und mit ihm auch die erste 3 Reihen. Die Jagd war eröffnet!

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Mein Plan war es die ersten paar Kilometer einiges an Tempo vorzulegen um dann schnell zu den vorderen Blöcken aufzuschließen und noch eine frischere Strecke und wenig Stau vorzufinden. Durch den tagelangen Regen vor dem Race war allerdings jetzt schon das ganze Gelände eine einzige stinkende Matschgrube.

Den Starthügel ging es schon nur auf dem Hosenboden hinab und schon war die Hose nass. Die ersten Meter gab ich mit einem Vollsprint Gas und kam so an die ersten Hindernisse. Es waren einfache Baumstämme in ca. 1 Meter Höhe. Doch bereits hier staute sich das Feld. Ich kämpfe mich kompromisslos durch die Massen um vor den Rabbit Hills, einem Bergslalom etwas Platz zu haben. Das gelang eigentlich ganz gut. Nach dem diese mehr als schweißtreibend hinter mir lagen ging es etliche Schleifen durch einen halb überschwemmten Wald. Auch hier lauerten verschiedene Netze und Barrieren die zu überwinden waren. Das war aber alles nur das „Aufwärmen“ bevor es zu den Zulu Swamp ging. Hier musste eine dreckige Wassergrube 15 mal von einer Seite zur anderen durchquert werden und jedes Mal die matschige total ausgewaschene Böschung hoch und runter. Das Wasser war saumäßig kalt und stank wie Sau. Wer hier schon am fluchen war hatte das beste noch vor sich. Nun ging es in die Killing Fields.

Als erstes ging es über ein ca. 8 Meter hohes Klettergerüst. „The Brandenburg Wall“. Davon gab es zwei hinter einander und dazwischen waren die ersten Stromkabel aufgehängt. Ich rannte einfach durch und hatte Glück wohl eine tote Linie erwischt zu haben. Kein Schlag!

Anschließend folgte der Hammer des Rennens. Ein 200 Meter langer „Teich“ musste hin und zurück durchwatet werden. Das Wasser ca. 1,50m tief und damit genau über der kritischen Stelle ;). Die ersten Meter gingen noch aber dann kamen die Kälteschmerzen und ich sehnte das Ende herbei. Nach einer halben Ewigkeit stieg ich wieder aus den Fluten. Schnell wieder ins Laufen kommen! Beim ersten Hindernis erstmal das Knie gegen gehauen. Nicht mal gemerkt in der Kälte. Durch ein Matschfeld ging es über die nächsten Baumstämme zu einem großen Hindernis welches in 6 Meter Höhe auf Seilen zu überwinden und auch wieder herabzusteigen war.

Anschließend mein „Angsstück“, die „Chamber of Torture“. Komplett dunkel mit Hölzern an Ketten von der Decke hängend und dazwischen Stromkabel mit ordentlich Saft drauf. Und etliche Schmerzensschreie von Mitläufern. Eine wahre Hölle und nichts für Menschen mit Panik. Dank eines Tipps wusste ich, dass es an der rechten Seite gut voran ging. Man konnte sich an den meisten Kabeln vorbei quetschen. Dann plötzlich ein Zucken durch den ganzen Körper. Ich hatte doch ein Kabel gestreift. FUCK!! Stromsträke wie ein Weidezaun nur durch das Wasser noch verstärkt. Durch Betonröhren kämpften wir uns wieder zurück ans Tageslicht. So langsam merkte man die Anstrengungen im Körper. Nun kam das tauchen. Fünf mal mit dem Kopf unter Wasser unter einem Baumstamm durch. Anders wie noch bei „The Race“ zog ich das diesmal auf die schnelle Tour durch. Zack, Zack, Zack, Zack, Zack. Nur kurz Luft geholt und schnell wieder raus aus dem Wasser erstmal durchatmen. Dann auf die nächste Planke und von ca. 2 Meter in das kalte Wasser springen und an den Rand schwimmen.

So langsam war die Kälte in jedem Muskel und jedem Knochen. Es war Zeit fürs Ziel. Durch einen letzten Teich und eine Rutsche hinab, natürlich auch wieder mit Strom war die Ziellinie zum greifen nah. Mit einem riesen Schrei überquerte ich diese nach 2:30 Stunden!! ICH BIN EIN TOUGH GUY!!!

Man war das geil!! Die Medaille nahm ich mit Ehre im Empfang und registrierte nur nebenbei die Decke die um mich gelegt wurde. So geil das das Gefühl diesen Lauf gefinisht zu haben. Platz 411 am Ende und auch das mehr als genial!!

Doch dann kam die Kälte und Erschöpfung. Schnell in den warmen Bus und trockene Klamotten anziehen. Zurück im Hotel erstmal schön duschen (Danke hier an Matthias und Maazel für das Duschasyl) und am Abend wurde der Erfolg groß im Oddfellows mit mehreren Cider gefeiert.

Von der Anstrengung her war „The Race“ in Rudolstadt schlimmer. Hier galt es die Hindernisse nach 22 Kilometer in den Beinen noch zu überwinden, während beim Tough Guy (12-13km) die Strecke nicht das Problem ist. Hier kommt es eher darauf an mit der Kälte zurecht zu kommen. Immer und immer wieder müssen die Muskeln auf Temperatur gebracht werden um Krämpfen zu entkommen.

Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle auch an Charles Franzke und das gesamte GettingTough Team. Charles gewann das Einzelrennen und das Team mit 15 Topläufern unter den ersten 50 auch den Teamwettbewerb zum 4. Mal in Folge.

Tough Guy 2015? NA KLAR!!!

Weitere Bilder: Phil O´Connor Photography

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